Nueva Tabarca: eine 1770 errichtete Inselsiedlung
Tabarca ist keine eigene Gemeinde. Die kleine bewohnte Insel ist ein entfernter Stadtteil Alicantes, nahe dem Cabo de Santa Pola, aber etwa elf Seemeilen von der Stadt entfernt, zu der sie gehört. Ihr flacher, schmaler Umriss umfasst zwei Gegensätze: eine ummauerte Siedlung des 18. Jahrhunderts im Westen und ein offenes Buschfeld, das ostwärts zu Turm und Leuchtturm reicht.
Isla Plana vor Nueva Tabarca
Lange hieß die Insel wegen ihres flachen Profils schlicht Isla Plana. Auf ihr und ringsum wurden römische Funde gemacht, doch ohne verlässliches Süßwasser war dauerhafte Besiedlung schwierig. Ihre Lage vor einer von Überfällen bedrohten Küste machte sie auch für Piraten und Freibeuter nützlich. Mittelalterliche und frühneuzeitliche Pläne für einen Wehrturm führten nie zu einer beständigen Ortschaft.
Die tabarkinischen Familien
Der Name stammt von einer anderen Insel: Tabarka vor Tunesiens Küste. Familien ligurischer Herkunft lebten dort unter genuesischer Herrschaft und arbeiteten im Korallenhandel. Nach Tabarkas Fall im 18. Jahrhundert gerieten viele in Tunis und Algier in Gefangenschaft. Die spanische Krone erwirkte 1768 und 1769 ihre Freilassung und brachte sie zunächst in Alicante unter.
Zugleich plante die Regierung Carlos' III., Isla Plana zu befestigen und zu bevölkern. 1770 zogen die befreiten Familien in eine neue Siedlung, die Militäringenieur Fernando Méndez de Ras unter der Schirmherrschaft des Grafen von Aranda entworfen hatte. Nueva Tabarca erinnerte an ihre frühere Inselheimat. Das Raster aus Häusern, Mauern, Toren, Kirche, Gouverneurshaus und Zisternen war ein Projekt der Aufklärung, zugleich wehrhaft und selbstversorgend gedacht.
Eine Planstadt mit harten Grenzen
Der Plan war ehrgeizig, doch die Insel blieb trocken, ungeschützt und vom Meer abhängig. Regenwasserzisternen waren unverzichtbar; nicht alle vorgesehenen Gebäude wurden fertig. Die Fischerei, besonders die Almadraba auf Thunfisch, ernährte Generationen. Der alte Thunfischspeicher beherbergt heute das Museum Nueva Tabarca; Mauern und drei Monumentaltore machen den ursprünglichen Grundriss zu Fuß verständlich.
Jenseits der Mauern ist El Campo bewusst karg. Die Torre de San José steht landeinwärts, der Leuchtturm des 19. Jahrhunderts in der Osthälfte. Kleine Buchten, flache Felsen und vorgelagerte Inselchen gliedern das Ufer. 1964 wurde die gesamte historische Siedlung als historisch-künstlerisches Ensemble geschützt.
Spaniens erstes Meeresschutzgebiet
1986 wurden die Gewässer um Tabarca Spaniens erstes Meeresschutzgebiet. Zum Schutzraum gehören felsiger Meeresboden und ausgedehnte Wiesen von Posidonia oceanica, die Meerestieren Schutz und Kinderstube bieten. Fischerei, Tauchen und Ankern sind je nach Zone geregelt. Klares Wasser bedeutet keinen schrankenlosen Spielplatz: Das Reservat besteht, weil menschlicher Druck Lebensräume und Fischbestände geschädigt hatte.
Besuch mit Rücksicht auf die Insel
- Passagierboote fahren gewöhnlich ab Santa Pola und Alicante; Häufigkeit hängt von Saison und Wetter ab. Prüfen Sie am Tag Betreiber und Seegang.
- Die kompakte Insel wird zu Fuß erkundet. Außerhalb der Siedlung sind Schatten und Süßwasser knapp.
- Sommerausflüge belasten den sehr kleinen Ort stark. Früh oder außerhalb der Saison haben historischer Grundriss und offene Landschaft mehr Raum.
- Nutzen Sie zugelassene Liegeplätze und beachten Sie die Reservatsregeln, wenn Sie selbst anreisen oder ins Wasser gehen.
Tabarca vervollständigt die maritime Seite von Alicante. Das nächste Festland ist das Kap bei Santa Pola, wo sich die geschützte Landschaft nicht unter Wasser, sondern in Salinen fortsetzt.
Quellen und Prüfung
Geprüft im August 2026 anhand der Geschichte Nueva Tabarcas der Stadt Alicante, der städtischen Insel-, Denkmal- und Museumsunterlagen sowie der Darstellung des Meeresschutzgebiets durch die spanische Regierung. Museumszugang, Überfahrten und Meeresregeln ändern sich; prüfen Sie vor der Reise aktuelle amtliche Angaben.